Projekt B7

Prävalenz von Pneumokokken mit einzelnen Mutationen der Fluorochinolonresistenzgene (Erstschrittmutanten) und das Risiko der Entwicklung einer Vollresistenz unter Fluorochinolontherapie

In Deutschland werden Patienten mit ambulant erworbener Pneumonie (CAP), die meist durch Pneumokokken hervorgerufen wird, häufig mit Fluorochinolonen behandelt. Obwohl fluorochinolonresistente Pneumokokken in Deutschland derzeit noch selten sind, wird aus Südeuropa und Asien ein schneller Anstieg der Fluorochinolonresistenz bei Pneumokokken berichtet und ist mit großer Sicherheit mittelfristig auch in Deutschland zu erwarten. Pneumokokken erwerben die Resistenz gegen Fluorochinolone durch schrittweise Mutationen der beiden Fluorochinolon-Zielenzyme (DNA-Gyrase, bestehend aus gyrA und gyrB und Topoisomerase IV, bestehend aus parC und parE). Für eine Vollresistenz sind Mutationen in beiden Zielenzymen erforderlich. Pneumokokken mit Mutationen in nur einem Enzym (sogenannte Erstschrittmutanten) sind meist phänotypisch sensibel. Die Wahrscheinlichkeit, dass solche Isolate vollresistent werden, ist allerdings stark erhöht. Zur Häufigkeit von Erstschrittmutanten gibt es in Deutschland keine Daten, obwohl dadurch die Entwicklung der Fluorochinolonresistenz abgeschätzt werden könnte.

Erstschrittmutanten können aufgrund ihrer phänotypischen Sensibilität gegenüber Fluorochinolonen nicht durch mirkobiologische Routineverfahren (Resistenztestung) identifiziert werden. Derzeit ist ein Nachweis der Mutation durch Sequenzieren die einzige Methode, um Erstschrittmutanten zu identifizieren. Sequenzieren ist zeitaufwändig und kostenintensiv und eignet sich daher nicht als Screening-Verfahren für epidemiologische Fragestellungen. Im Rahmen des Projektes B7 soll die Prävalenz von Pneumokokken-Erstschrittmutanten durch eine neue Methode (PCR-RFLP: polymerase chain reaction –restriction fragment lenght polymorphism), die einen hohen Probendurchsatz erlaubt, bestimmt werden.

Mit dieser Technik werden alle durch CAPNETZ gesammelten Pneumokokken analysiert. Zusätzlich werden Pneumokokken, die vor und ggf. unter Fluorochinolontherapie isoliert wurden (CAPNETZ-Projekt A7), untersucht, um das Risiko der Entwicklung einer Vollresistenz bei Infektion mit Erstschrittmutanten zu untersuchen.

 

Projektleitung:

Dr. Mathias Pletz
Medizinische Hochschule Hannover
Abteilung für Pneumologie
Carl-Neuberg-Str. 1
30625 Hannover


Standort Hannover
Übersicht der CAPNETZ Standorte